Frauennotruf Saarland Frauenbüro der Landeshauptstadt Saarbrücken
Vortrag mit LesungMonika Gerstendörfer `Der verlorene Kampf um die Wörter – Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt´ Dienstag 25. November 200819:00 Uhr
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| Aus dem Vorwort von Michaela Huber Erinnern Sie sich noch an Mario Mederake? Doch, Sie erinnern sich ganz bestimmt an den kahl geschorenen Hünen im Trainingsanzug, der - die Hände in den Taschen - gelassen auf dem Dach der Haftanstalt mit zwei Psychologen plauderte, die ihrerseits etwas lächerlich wirkten in ihrem hochgefahrenen Kran-Korb. 20 Stunden verbrachte er so, drohte ein wenig mit Suizid, versuchte auf seinen bevorstehenden Prozess Einfluss zu nehmen (man solle die Gewaltvideo, die er von seinem Opfer und sich selbst gedreht hatte, nicht zeigen) und kam erst herunter, als es ihm in der Nacht zu kalt wurde. Erinnern Sie sich? Vermutlich wird sein Opfer, das man in den Medien nur "die kleine Stephanie" nannte, sich ihr ganzes Leben lang an jenen vierschrötigen Klotz von Mann erinnern, der die damals Dreizehnjährige auf der Straße einfach packte, sie zu sich nach Hause schleppte, täglich mehrfach vergewaltigte und sadistisch folterte, sie wochenlang in Todesangst versetzte und dabei zwischendurch so tat, als sei er in sie verliebt. Von Stephanie hieß es in den Medien, sie werde das "nie verwinden". Vielleicht doch. Denn immerhin war sie klüger als die Polizei, die sich mehrfach ausgesprochen dumm anstellte (den Namen des vorbestraften Mederake, der nur wenige Häuserblocks vom Entführungsort entfernt lebte, z.B. falsch eingab und ihn so nicht fand). Stephanie verfügt über Resilienzfaktoren, sie ist klug und erfinderisch und sie sorgte dafür, dass sie Zettelchen aus dem Fenster werfen konnte mit klaren Anweisungen, was der Finder damit tun sollte, nämlich die Polizei holen. Die hatte dann leider nichts Besseres zu tun, als zu klingeln und damit das Mädchen bis zum Aufbrechen der Tür wiederum in Todesangst - und echte Todesangst! - zu versetzen. Doch Stephanie kann von sich selbst sagen, dass sie entscheidend zu ihrer Befreiung beigetragen hat; das könnte ihr bei der Verarbeitung helfen. Als ich Monika Gerstendörfers Manuskript las, fiel mir der mediale Umgang mit Stephanie und Mario Mederake ein. Die Medien interessierten sich sehr für den Täter. Er wurde als "Monster" bezeichnet, aber doch fast respektvoll beschrieben - und auch so behandelt. Die im Kran zu ihm "hochgehobenen" Psychologen sind ein bezeichnendes Bild für den laxen Umgang der Strafverfolgungsbehörden und auch der Medien mit diesem Mehrfachtäter, der die Taten gestanden und dokumentiert hatte und dennoch immer als "mutmaßlicher Täter" bezeichnet wurde. Und Stephanie? Sie hatte sich freiwillig entschieden, bestimmten Medien gegenüber (z.B. dem SPIEGEL) die Taten zu schildern, und wurde mitsamt den Eltern von der Staatsanwaltschaft, dem Anwalt des Täters und von zahlreichen Medien ausschließlich als Opfer gesehen. Tenor: Das arme Mädchen wird nun auch noch von den rachsüchtigen Eltern gezwungen, sich in den schrecklichen Erfahrungen zu suhlen. Danach kann es ihr doch nur schlechter gehen. Dabei wird übersehen, dass jede/r Gewaltüberlebende eigene Mechanismen hat, sich mit dem Geschehen auseinanderzusetzen. Und es kann sehr gut sein, dass Stephanie den Zorn brauchte, ihn nutzte, um sich über die Schilderungen ihrer eigenen Erfahrungen zu versichern und dazu beizutragen, dass der Täter für immer aus ihrem Leben verschwindet. Stephanie muss eine großartige Jugendliche sein, und man kann ihr nur wünschen, dass sie die Kraft des Zornes und die Klarheit der Aussage nutzen kann, auch weiterhin alles für ihren Selbstschutz zu tun. Monika Gerstendörfers Buch behandelt das Thema der öffentlichen Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt - und konfrontiert sprachlich und inhaltlich verzerrte Bilder mit der Realität. Es ist ein zwar leicht zu lesendes, aber keinesfalls ein einfaches Buch und daher keines, das ich Überlebenden empfehle, die ihre Traumabearbeitung noch nicht abgeschlossen haben, da es von sogenannten Triggern (möglichen Auslösereizen für traumatisches Erinnerungsmaterial) nur so wimmelt. Lesen aber sollten viele dieses Buch, weil es, wie seine Autorin, mutig ist und stark, klar und zornig, aufrichtig und kenntnisreich. Es entlarvt bagatellisierenden Sprachgebrauch, der nicht sagt, was der Täter tut, was mit dem Opfer geschieht und worin die Tat besteht, sondern von "Kinderpornografie" spricht, wo nichts gespielt (Pornos) ist, sondern schlicht sexualisierte Folter an Kindern auf Video gebannt wird. Oder von "Sextourismus", wenn Männer Kinder und Frauen in anderen Ländern vergewaltigen. Sprache zu entlarven ist wichtig, Fakten sind von entscheidender Bedeutung, um wirklich etwas zu verstehen. Daher: Lesen Sie dieses Buch und diskutieren Sie es mit PolitikerInnen. Kämpfen Sie dafür, dass Gewaltüberlebende kostenfrei Therapien bekommen, und zwar nicht nur für einige Stunden. (Für Täter gibt es oft jahrelange Therapien. Ist dieses Ungleichgewicht nicht ungeheuerlich?) | Die Autorin Monika Gerstendörfer, Jahrgang 1956, Dipl.-Psych., Menschenrechtlerin und freie Autorin, studierte Sprachwissenschaft, Psychologie und Psycholinguistik; arbeitete zunächst in der Wissenschaft und seit nunmehr 15 Jahren aktiv in Menschenrechtsorganisationen (Terre des Femmes e.V., Deutscher Akademikerinnenbund, Forum Menschenrechte, Lobby für Menschenrechte e.V.), im "Observatory against Violence on Women" der Europäischen Frauenlobby, im Europarat und als Sachverständige bei Anhörungen auf EU-, Bundes- und Landesebene. 2005 wurde sie mit den "1000 Women for Peace" für den Friedensnobelpreis nominiert. www.gerstendoerfer.de
Das Buch "Kinderschänder gibt es nicht!" Was für eine provokant klingende und irritierende Aussage! Doch die wahren Provokateure sind wir. Denn wir alle benutzen solche Unwörter wie "Kinderschänder", "Sextouristen", "Triebtäter", "Sexgangster" und damit eine im wahrsten Sinne des Wortes gewalt-tätige Sprache. Wörter, Begriffe und Namenstäfelchen, die Tat und Täter nicht beim Namen nennen und so die wirkliche Problematik nicht erfassen, sondern die Opfer (nochmals) verletzen, die Taten bagatellisieren und die Täter entlasten.
Gerstendörfer, Monika
1. Auflage, 07.03.2007 | |
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| Eine Veranstaltung von
Frauenbüro der Landeshauptstadt Saarbrücken
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FrauenThemenMonat 2008: Frauen und Medien Der diesjährige FrauenThemenMonat der Landeshauptstadt Saarbrücken steht unter dem Motto „Frauen und Medien“. Die Medien haben eine herausragende Rolle in der Gesellschaft, deshalb beschäftigen sich die Veranstaltungen mit den Rollenbildern, die im Fernsehen, Radio und den Zeitungen vorkommen. Auf eine Frau, über die in den Medien berichtet wird, kommen vier Männer. Im Gespräch mit saarländischen Medienvertreterinnen und –vertretern bei der Eröffnung des FTM am 23. Oktober (18 Uhr, Rathausfestsaal) geht es darum, wie eine geschlechtersensible Berichterstattung aussehen könnte. Die Themen, die bei der Eröffnungsveranstaltung angesprochen werden, werden im Verlaufe des Themenmonats vertieft und näher beleuchtet. So geht es ebenso um die Rollenbilder, die durch Werbung transportiert wird, wie um den Umgang der Medien mit Politikerinnen und die spannende Frage, ob die Medien dem Aussehen und der Kleidung von Politikerinnen mehr Aufmerksamkeit schenken, als dem, was sie zu sagen haben. Außerdem stehen Mädchenbilder in den Medien bei der Fachtagung der Landesmedienanstalt „Von Wilden Hühnern“, „Lara Croft“ und „GNTM“ im Mittelpunkt. Der FrauenThemenMonat hat neben den thematischen Veranstaltungen auch Kultur im Programm. So werden die Ausstellungen „Füllhorn, Waage, Schwert – Justitia ist eine Frau“ und die Ausstellung „Im Rhythmus“ der Künstlerin Esther Bach zu sehen sein. Zum Abschluss des FTM gastiert am 5. Dezember (20 Uhr, Breite 63) die Sängerin Christina Lux in Saarbrücken. Sie präsentiert ihr Programm „Pure & Live“, in dem sie sich zwischen Folk, Jazz und Soul bewegt und eindringlich mit sanft-rauer und wunderbar farbenreicher Stimme berührt. Das Programmheft und alle Informationen über die insgesamt 12 Veranstaltungen erhalten Sie beim Frauenbüro der Landeshauptsstadt Saarbrücken, Petra Messinger, Rathaus St. Johann, 66104 Saarbrücken unter der Telefonnummer 0681/905-1649, per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. und im Internet unter www.frauenbuero.saarbruecken.de.
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